4 - Eine märkische Wappensage

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Von den in Malchow und anderen märkischen Dörfern über Jahrhunderte ansässigen von Barfuß sowie den familen Röbel und von Hake kündet eine Wappensage, wenngleich sie wohl erst aus dem Wappen abgeleitet worden ist: Als Kaiser Arnulf von Kärnten (877-899) in kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Slawenfürsten Swatopluk (Schwendepod) verwickelt war und 892 eine von diesem besetzte Stadt in Böhmen zurückzugewinne suchte, erbot sich ein Kriegsmann, Tam Joachim, mit zwei anderen mutigen Männern, die feindliche Besatzung bei Nacht zu überrumpeln. Und weiter kündet die Sage:

Diese drei und etliche herzhafte Kriegsknechte schlichen, mit Beil, Haken und Stricken ausgerüstet, bei Nacht über den gefrorenen Graben an der Stadtmauer heran, wo ein Eichbaum ihnen das Emporklimmen erleichterte. Unbemerkt galangten sie auf die Mauer, konnten sich herablassen, die überraschte Torwache hinterrücks niedermachen und das Tor den Kaiserlichen öffnen. Die aufgeschreckte Besatzung wusste nicht, was geschehen, wähnte die von Hunger gequälten Einwohner hätten sich wider Schwendepod empört, und schrien beständig: 'Rebelle! Rebelle!' - Unter diesem Geschrei wurde die Besatzung von den Kaiserlichen teils getötet, teils gefangen, und die Stadt kam wieder in die Gewalt des Kaisers.

Die drei kühnen Männer aber belohnte der Kaiser reichlich und verlieh ihnen den Ritterschlag. Ihre Familiennamen und -wappen sollten die Erinnerung an die mutige Tat wach halten. Tam Joachim erhielt wegen des Schreckensrufes 'Rebelle! Rebelle!' den Namen von Roebell, - der eine Gefährte wegen der beim Ersteigen der Mauer benutzten Haken den Namen Hake - und der andere, weil man sich auf dem Eise und beim erklimmen der Mauer blutige Füße geholt, den Namen von Barfuß. - Während die Hakes als Wappenschild drei schwarze Haken und die von Barfuß drei bloße, blutende Füße fortan im Schilde führten, bekam Tam Joachim von Roebell einen dreiästigen Eichbaum in halb weißem und halb schwarzem Schilde. An das Überfliegen der Stadtmauern bei Nacht sollte die Helmzier aller drei Familien, zwei Adlerflügel erinnern.

Abbildung:Wappen der Familie von Barfuß, gezeichnet nach Siebmachers Wappenbuch von Wagner/Wagner

3 - Erste urkundliche Erwähnung von Malchow

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Das Dorf Malchow mit seiner Kirche existierte somit schon geraume Zeit, bevor es erstmalig einen schriftlichen Beleg dafür gab. In einer Schenkungsurkunde Ludwig des Älteren, Markgraf von Brandenburg, vom 8. Februar 1344 wird ein "Johannes, plebanus in malchowe" , Pfarrer von Malchow genannt. Wie allgemein üblich, ist diese erste urkundliche Erwähnung der Anlaß für die 650-Jahrfeier des Ortes im Jahre 1994.

Etwas ausführlicher unterrichtet uns das Landbuch Kaiser Karls IV., der seit 1373 auch Markgraf von Brandenburg war, über das Dorf Malchow. Um sich einen Überblick über seinen landesherrlichen Besitz in diesem Gebiet zu verschaffen, ließ er 1375/76 in den Dörfern eine Bestandsaufnahme machen. Das so entstandene Dorfregister verzeichnete auch die Abgaben- und Besitzverhältnisse, die sich in Malchow bis zum Ende des 14. Jahrhunderts herausgebildet hatten. Im Landbuch werden für Malchow 52 Hufen genannt, davon besaß der Pfarrer vier. Im Unterschied zu den bäuerlichen Zinshufen zählten die des Pfarrers und des Schulzen zu den Freihufen. Zudem gab es einen Krug. Die Abgaben der Bauern und Kossäten bestanden vorrangig aus Getreide (Roggen, Gerste, Hafer), Hühnern und Geldleistungen. Diese ginge vor allem an Coppe von Barfuß sowie an begüterte Berliner Bürger. Ende des 15. Jahrhunderts bestanden in Malchow zwei Ritterhöfe derer von Barfuß, die verschiedenen Brüdern und Vettern der Familie gehörten. Mitglieder dieser in der Mark Brandenburg weit verzweigten und begüterten Familie übten bis 1684 die Gutsherrschaft in Malchow aus. Unter den von Barfuß hielt in Malchow die Reformation Einzug. Der erste evangelische Pfarrer war Lampertus Jahn, der neben seiner Malchower die Hohenschönhauser Kirche zu betreuen hatte, die bis 1800 Tochterkirche von Malchow war. Die im Barnim ansässigen von Barfuß, darunter die Malchower, gehörten zu jenen Adligen, die im 16. und 17. Jahrhundert dem Kurfürsten Vasallendienste leisten mussten.

Abbildung: Auszug aus dem Landbuch Kaiser Karls IV.
(1375/1376) mit der Erwähnung Malchows



2 - Die Malchower Dorfkirche

Die Kirche erfuhr im Laufe der Jahrhunderte eine Reihe von Veränderungen sowohl vom Äußeren her, als auch hinsichtlich der Innenausstattung. Ende der dreißiger Jahre, dass heißt wenige Jahre vor ihrer sinnlosen Zerstörung im April 1945, wird die Malchower Kirche wie folgt beschrieben:

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Von besonderem Interesse ist er über Wälder, Fluren und Bauernhäuser ragende Turm zu Malchow. Wie in die schützenden Mauern einer Burg das Tor eingelassen ist, so liegt unter der gewaltigen Findlingsmasse des Turmes der kleine schlichte Eingang. Überraschend ist der Eindruck im Innern. Ein hoher Raum mit einer seitlich aufwärts führenden Treppe erhält durch die kleine Tür malerisches Licht. Aus dem Dunkel der Decke hängen die Glockenseile herunter, und im melodischen Rhythmus bewegt noch heute der Glöckner das Geläut. Ausgetretene Holzstiegen, getragen von altersgrauem Gebälk, führen zu den Glocken, um deren weiten und mächtigen Mantel der Wind sein Spiel treibt. Der unbekannte Baumeister zierte den Turm mit einem Reigen rundbogiger Öffnungen für die Glockenstube und ließ aus diesem sonst so ernsten Turm fröhlich das Geläut der Glocken ertönen. Vor wenigen Jahrzehnten wurde dem Turm eine zweite Galerie in Ziegelbau aufgesetzt. Dem Mißgriff im Material folgte die stilistische: die romanischen Doppelbögen, die Bogenfriese und die verspielte Turmhaube, mißglückte Erweiterungsbauten aus dem 19. Jahrhundert.


(Aus: Walter C. Türck, Die Dorfkirchen von Berlin, Berlin 1950, S. 10 f.)