5 - Malchow während des Dreißigjährigen Krieges

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Vor allem während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) war das märkische Dorf Malchow von Einquartierungen und Plünderungen, Not und Zerstörung betroffen. So war die Mark Brandenburg 1627/28 Durchzugsgebiet und Winterquartier der Truppen unter Wallenstein, der sein Hauptquartier in Bernau genommen hatte. Infolge des Krieges wütete die Pest, die bereits in den Jahrhunderten zuvor diese Gegend mehrfach heimgesucht hatte, häufiger und heftiger als sonst im Berliner Raum. In Malchow fielen die Witwe des Georg von Barfuß und ihre fünf Söhnen der Krankheit zum Opfer. Der Landreiterbericht des Niederbarnim aus dem Jahre 1652 zeichnet ein düsteres Bild des Dorfes nach dem Krieg. Von den zwölf Hufenbauern und zwölf Kossäten, die es 1624 noch gegeben hatte, waren nur ein Bauer und drei Kossäten übrig. Auch der 1624 erstmalig erwähnte Schmied existierte nicht mehr. Erst 1664 gab es wieder eine Schmiede im Dorf.

Ein ungewöhnlicher Pfarrer

Von 1605 bis 1653, also auch während des Dreßigjährigen Krieges, war Joachim Putlitz Pfarrer in Malchow. Von jenen Zeiten und diesem Pfarrer berichtet eine Erzählung von Fritz Wilke, in den fünfziger Jahren Pfarrer in Hohenschönhausen:

Die Zeiten waren grauenhaft. Wenige Menschen vegetierten in den schäbigen Häusern. Man durfte nichts heil machen: gleich waren die Plünderer da und witterten verborgene Schätze.

Von einem ganz alten Pfarrer hatte Fürstenberg ihm berichtet, der im Lederwams mit Pistole und langem Messer seinen Pfarrdienst versehen hatte. Den Malchower Abendmahlkelch hatte er in einem hohlen Baum versteckt. Seine Familie hatten ihm plündernde Soldaten verdorben. Darum lebte er nachdem Wort: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Man flüsterte, er habe manchem Marodeur mit eigener Hand beseitigt. Vielleicht war daher sein eigentümliches Wesen zu erklären gewesen, das keinen in seiner Nähe hatte froh werden lassen. Doch hatten es ihm seine Beichtkinder nicht verübelt. An fast allen Händen hatte Blut geklebt. Krieg, Seuchen und mancherlei Elend hatten sie rauh gemacht, gemeinsame Schuld hatte ein gemeinsames Seelenklima gechaffen, das der folgende Friede nur mühsam überwinden konnte.

Die Malchower waren jedenfalls mit ihrem Pfarrer zufrieden gewesen. Er hatte bei ihnen ausgehalten, getauft, beerdigt, das heilige Mahl gespendet, geackert und gedarbt wie jeder andere; bisweilen auch mit ihnen zusammen das Notwendige geraubt, wo zu rauben möglich war.

Nun wurde der Friede für den Friedlosen eingeläutet. Er sollte wie in unvordenklicher Zeit im Meßgewand am Altar stehen und scheute davor zurück. Das kurfürstliche Konsistorium konnte und durfte auf den sonderlichen Pfarrer keine Rücksicht nehmen; es verfügte rigoros, und der alte Herr starb im hellen Zorn auf die Behörde.

(Aus Fritz Wilke, Über wenigem getreu. Erzählung, Evangelische Verlagsanstalt Berlin 1964, S 23f.)

Eine "rosige" Grenze

Als nach dem Dreißigjährigen Krieg die Spuren der Verwüstung allmählich verblaßten, hielt man es an der Zeit, die jahrelangen Grenzstreitigkeiten zwischen den Dörfern Malchow und Weißensee zu beenden. Dazu gehörte auch die Schlichtung des Streits um den sogenannten Malchowischen Äcker- und den Weißenseer Bergholzpfuhl, durch deren Gewässermitte bis dahin jeweils die Gemarkungsgrenzen verliefen. Nunmehr erhielt Malchow den Äckerpfuhl und Weißensee den Bergholzpfuhl. Die Grenze wurde mit fünfzehn Steinen markiert. Um im Falle ihres Verlustes eine weitere Kennzeichnung zu haben, wollten beide Gemeinden im Herbst bei allen Grenzsteinen wilde Rosen pflanzen. Außerdem soll den Kindern der Gemeinden anläßlich der Grenzfestlegung eine Tracht Prügel verabreicht worden sein, damit sie auch künftig die Bedeutung dieses Ortes gut im Gedächtnis behielten.

(Nach Günter Nitschke, Malchow nach dem Dreißigjährigen Krieg, Berlin Weißensee 1961, S10 f.)