Projekt

11 - Das Malchower Dorfsiegel

Malchower Dorfsiegel um 1850

Malchower Dorfsiegel um 1850

Nachdem sich im 19. Jahrhundert neben den Landgemeinden rechtlich und wirtschaftlich selbständige Gutsbezirke herausgebildet hatten, blieben in Malchow bis zur Eingemeindung 1920  Landgemeinde und Gutsbezirk nebeneinander bestehen. Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert fand in der Malchower Dorfgemeinde bei kommunalen Angelegenheiten ein Siegelstempel verwendung, dessen Abdruck überliefert ist. Wahrscheinlich ist das Siegel bereits vor 1850 entstanden und das Ende des Jahrhunderts benutzte ging auf ältere Vorlagen zurück. Man fertigte im Laufe der Zeit neue und qualitativ bessere Siegel an, behielt das Motiv aber zumeist bei. Das Malchower Dorfsiegel war rund, und die Umschrift nennt als siegelnde Behörde die Dorfgemeinde Malchow. Siegelführer war der Dorfrichter oder der Schulze, der das Siegel bei allen gerichtlichen oder verwaltungsmäßigen Angelegenheiten der Gemeinde verwandte. Im Siegelbild spiegeln sich die Vorstellungen und der Geschmack der Dorfbewohner wider. So enthält das Malchower Siegel SInnblder des dörflichen Lebens: Sense, Rechen sowie einen Bienenkorb mit Bienen.

10 - Malchow im 18. und 19. Jahrhundert

Die Gegend um Malchow war im 18. Jahrhundert nach wie vor sehr wasserreich. In einer Chronik von 1751 finden mehrere Seen und vor allem Pfühle in der Umgebung des Dorfes Erwähnung. Alte Flurnamen weisen auf die frühere Nutzung oder Lage der Gewässer hin, so beispielsweise Großes und Breites Luch (früher flacher See), Berliner Acker- und Grenzpfuhl, Müller-, Fließ- und Hechtgraben oder Sandsee.

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In etwa der Hälfte der Dörfer des späteren Groß-Berliner Raums bestand zu Beginn des 18. Jahrhunderts landesherrlichen Grundvermögen. Malchow gehörte nach dem Tode Christian Ludwigs von 1734 bis 1812 zum Amt Niederschönhausen, danach bis 1872 zum Amt Mühlenhof. Das Vorwerk Malchow wurde 1815 an den bisherigen Pächter L.F. Welle verkauft und befand sich von 1828 bis 1858 im Besitz von Heinrich Simon. Die für Malchow 1714 erstmals verzeichnete Bockwindmühle gehörte 1737 zum Amt Mühlenhof.

Im Zuge der Separationen des 19. Jahrhunderts verstärkte sich auch in Malchow die soziale Differenzierung unter den Dorfbewohnern. Von der separierten Malchower Feldmark entfielen rund zwei Drittel des Acker- und Gartenlandes auf die sechs Bauernfamilien, etwa ein Viertel auf die fünf Kossätenfamilien und rund ein Prozent auf die sechs Büdner (Lehrer, Müller, Stellmacher, Schmied, Krüger und Weber). Auch die Malchower Pfarre erhielt einen Anteil am Acker-, Wiesen- und Gartenland. Über die Hälfte der Dorfbewohner verfügte jedoch über keinerlei Bodenbesitz. In Malchow lebten Mitte des 19. Jahrhunderts außer sieben Bauern- und fünf Kossätenfamilien noch 69 weitere, vor allem einheimische Land- oder Gutsarbeiterfamilien sowie aus den östlichen Provinzen stammende Saisonarbeiter. Mehrere der noch vorhandenen Malchower Bauern- und Landarbeiterhäuser stammen aus dem 19. Jahrhundert, darunter das ehemalige Wohnhaus für Gutsarbeiterfamilien in der Dorfstraße 40. Das heutige Aussehen des Malchower Schlosses geht auf eine 1865/66 erfolgte Umgestaltung im Stil der Schinkel-Nachfolge zurück. Im vorigen Jahrhundert wurden auch die meisten Wirtschaftsgebäude erneuert, so die Brauerei, die in der Hofanlage des Gutshauses noch zu sehen ist.

9 - Über das gute Malchower Bier

Das Malchower Bier, welches zu Zeiten des Herrn Paul von Fuchs gebraut wurde, genoß einen guten Ruf und wurde auch von den Berlinern gerne getrunken. Im "Vollständigen Küch- und Keller-Dictionarium" des Paul Jacob Marperges aus dem Jahre 1716 findet das Malchower Bier Erwähnung. Darin heißt es unter anderem, daß

doch auf vornehmen Tafeln die fremden Biere, als Bernauisch, Ruppinisch, Zerbster, Cotwitzer, Croßnische, das so genannte Carthäuser-Bier (welches nicht weit von Franckfurt an der Oder gebrauen wird) der Halbetstädter Breyhan, Duck-, oder Duffstein, und auch kürzlich ein zu Köpenick zu brauen angefangener Breyhan, item das Brandenburgische, Malchauer und Zedenicker usw.

den einheimischen, das heißt Berliner Bieren vorgezogen würden.

Der Chronist Johann Christoph Beckmann berichtete davon, daß

unter den Dorfbieren ... das Malchowische Bier ehedem in großen Ruf gekommen sei. Der wohlselige Geh. Staatsrath von Fuchs habe die Brauerei daselbst so wohl einrichten lassen, dass das Bier an seiner Farbe und Geschmack dem Zerbster wenig nachgegeben.