1945

2 - Die Malchower Dorfkirche

Die Kirche erfuhr im Laufe der Jahrhunderte eine Reihe von Veränderungen sowohl vom Äußeren her, als auch hinsichtlich der Innenausstattung. Ende der dreißiger Jahre, dass heißt wenige Jahre vor ihrer sinnlosen Zerstörung im April 1945, wird die Malchower Kirche wie folgt beschrieben:

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Von besonderem Interesse ist er über Wälder, Fluren und Bauernhäuser ragende Turm zu Malchow. Wie in die schützenden Mauern einer Burg das Tor eingelassen ist, so liegt unter der gewaltigen Findlingsmasse des Turmes der kleine schlichte Eingang. Überraschend ist der Eindruck im Innern. Ein hoher Raum mit einer seitlich aufwärts führenden Treppe erhält durch die kleine Tür malerisches Licht. Aus dem Dunkel der Decke hängen die Glockenseile herunter, und im melodischen Rhythmus bewegt noch heute der Glöckner das Geläut. Ausgetretene Holzstiegen, getragen von altersgrauem Gebälk, führen zu den Glocken, um deren weiten und mächtigen Mantel der Wind sein Spiel treibt. Der unbekannte Baumeister zierte den Turm mit einem Reigen rundbogiger Öffnungen für die Glockenstube und ließ aus diesem sonst so ernsten Turm fröhlich das Geläut der Glocken ertönen. Vor wenigen Jahrzehnten wurde dem Turm eine zweite Galerie in Ziegelbau aufgesetzt. Dem Mißgriff im Material folgte die stilistische: die romanischen Doppelbögen, die Bogenfriese und die verspielte Turmhaube, mißglückte Erweiterungsbauten aus dem 19. Jahrhundert.


(Aus: Walter C. Türck, Die Dorfkirchen von Berlin, Berlin 1950, S. 10 f.)