Markgraf

6 - Blütezeit unter Paul von Fuchs

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Bereits seit Beginn des 17. Jahrhunderts und verstärkt durch den Dreißigjährigen Krieg vollzog sich im Niederbarnim ein Prozeß des Aufkaufens von Bauern- und Kossätenstellen durch die Grundherren, der zu einer Vergrößerung der Rittergüter führte. Wesentlichen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Krieg hatten die sich nach dem Edikt von Potsdam (1685) im Berliner Raum angesiedelten Hugenotten. Obgleich wohl nur für kurze Zeit, so lebten 1688 mehrere französische Emigrantenfamilien in Malchow. Der Geheime Etats-Rat und spätere Minister Fridrichs I., Paul von Fuchs, einer der Initiatoren des Edikts, erwarb 1684 das Malchower Gut. Die rege Bautätigkeit, die unter ihm einsetzte, umfasste die Instandsetzung der Bauern- und Kossätengehöfte, die Einrichtung eines Predigerwitwen- sowie eine Armen- und Waisenhauses. Der Gutshof wurde umgestaltet durch den Bau eines zweistöckigen Herrenhauses und einer Reihe von Wirtschaftsgebäuden, darunter eine Brauerei.


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Im Jahre 1691 ließ von Fuchs die Kirche neu bauen, den Turm ausbessern und erhöhen. Außerdem wurde ein Garten angelegt, zu dem eine Orangerie mit einer Bibliothek gehörte. Königin Sophie Charlotte, die mit ihrem Gemahl Friedrich I. des öfteren in Malchow weilte, war besonders von dieser Bibliothek angetan, so dass sie eine solche auch in Lietzenburg (später Charlottenburg)  einzurichten gedachte. Paul von Fuchs ließ Johann Porst als Pfarrer nach Malchow rufen, der hier von 1698 bis 1704 wirkte. Er wurde dann Prediger an Friedrichswerder und Dorotheensatdt, war seit 1709 Beichtvater und Hofprediger der Königin Sophie Luise und seit 1712 Probst an der St. Nikolai-Kirche. Bekannt wurde er vor allem durch das von ihm herausgegeben Gesangbuch.


Prominente Malchower Gäste

Bildnis des Königs von Preußen, Friedrich I. (1657-1713)

Bildnis des Königs von Preußen,
Friedrich I.
(1657-1713)

Bildnis des Markgrafen Christian Ludwig (1677-1734)

Bildnis des Markgrafen
Christian Ludwig
(1677-1734)

Bildnis der Königin Sophie Charlotte (1668-1707)

Bildnis der Königin
Sophie Charlotte
(1668-1707)

Paul von Fuchs starb 1704 und wurde in der Familiengruft der Malchower Dorfkirche beigesetzt. Nach seinem Tode erwarb Friedrich I. das Malchower Gut. Sein Nachfolger stellte es 1713 dem Markgrafen Christian Ludwig zur Verfügung. Seit jener Zeit sei es als ein "Herrschaftliches Lustschloß" angesehen worden, so ein Chronist. Auch den Garten ließ der Markgraf erweitern - wobei er an dem großen Obstgarten weniger Gefallen fand - sowie schöne Alleen anlegen. Lustgarten und Orangerie zierten viele seltene Zier- und Gewürzpflanzen. Das Motiv der Gartengestaltung findet sich in dem später entstandenen Schloßpark Friedrichsfelde (heute zum Tierpark gehörend) wieder.

Abbildung oben links: Bildnis des Paul von Fuchs (geb. 1640 Stettin, gest. 1704 in Malchow)
Abbildung oben rechts: Wappen der Familie von Fuchs, gezeichnet nach Siebmachers Wappenbuh von Wagner/Wagner

3 - Erste urkundliche Erwähnung von Malchow

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Das Dorf Malchow mit seiner Kirche existierte somit schon geraume Zeit, bevor es erstmalig einen schriftlichen Beleg dafür gab. In einer Schenkungsurkunde Ludwig des Älteren, Markgraf von Brandenburg, vom 8. Februar 1344 wird ein "Johannes, plebanus in malchowe" , Pfarrer von Malchow genannt. Wie allgemein üblich, ist diese erste urkundliche Erwähnung der Anlaß für die 650-Jahrfeier des Ortes im Jahre 1994.

Etwas ausführlicher unterrichtet uns das Landbuch Kaiser Karls IV., der seit 1373 auch Markgraf von Brandenburg war, über das Dorf Malchow. Um sich einen Überblick über seinen landesherrlichen Besitz in diesem Gebiet zu verschaffen, ließ er 1375/76 in den Dörfern eine Bestandsaufnahme machen. Das so entstandene Dorfregister verzeichnete auch die Abgaben- und Besitzverhältnisse, die sich in Malchow bis zum Ende des 14. Jahrhunderts herausgebildet hatten. Im Landbuch werden für Malchow 52 Hufen genannt, davon besaß der Pfarrer vier. Im Unterschied zu den bäuerlichen Zinshufen zählten die des Pfarrers und des Schulzen zu den Freihufen. Zudem gab es einen Krug. Die Abgaben der Bauern und Kossäten bestanden vorrangig aus Getreide (Roggen, Gerste, Hafer), Hühnern und Geldleistungen. Diese ginge vor allem an Coppe von Barfuß sowie an begüterte Berliner Bürger. Ende des 15. Jahrhunderts bestanden in Malchow zwei Ritterhöfe derer von Barfuß, die verschiedenen Brüdern und Vettern der Familie gehörten. Mitglieder dieser in der Mark Brandenburg weit verzweigten und begüterten Familie übten bis 1684 die Gutsherrschaft in Malchow aus. Unter den von Barfuß hielt in Malchow die Reformation Einzug. Der erste evangelische Pfarrer war Lampertus Jahn, der neben seiner Malchower die Hohenschönhauser Kirche zu betreuen hatte, die bis 1800 Tochterkirche von Malchow war. Die im Barnim ansässigen von Barfuß, darunter die Malchower, gehörten zu jenen Adligen, die im 16. und 17. Jahrhundert dem Kurfürsten Vasallendienste leisten mussten.

Abbildung: Auszug aus dem Landbuch Kaiser Karls IV.
(1375/1376) mit der Erwähnung Malchows